50 Jahre STIFTUNG WELTWEITE WISSENSCHAFT!

Grußwort von Wilhelm Krull 

 

Verehrte Frau Bürgermeisterin Stapelfeldt,

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sehr geehrter Herr Vizepräsident Stiehl,
lieber Herr Mielck,
lieber Herr Fischer-Appelt,
liebe Frau Albrecht,
meine sehr verehrten Damen und Herren!

Es ist mir eine große Freude, heute mit Ihnen das 50-jährige Jubiläum der Stiftung Weltweite Wissenschaft und des von ihr getragenen Gästehauses der Universität Hamburg feiern zu können. Wie viele von Ihnen wahrscheinlich wissen, hat die VolkswagenStiftung ihren Teil zur Entstehung dieses Gästehauses beigetragen: zwischen 1963 und 1965 – und damit nur kurz nach Beginn ihrer Fördertätigkeit im Jahr 1962! – hat die Stiftung insgesamt 1,633 Mio. DM und damit mehr als die Hälfte der Gesamtkosten für den Erwerb des Grundstücks sowie den Ausbau und die Möblierung des Gästehauses zur Verfügung gestellt. Die Stiftung Volkswagenwerk, wie sie damals noch hieß, hat damit noch vor der Freien und Hansestadt Hamburg, der Universität und privaten Spendern den größten finanziellen Beitrag dazu geleistet, das damals dringend benötigte Gästehaus der Universität zu errichten.

Die Förderung erfolgte im Rahmen des gemeinsamen Gästehaus-Programms der VolkswagenStiftung und der Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH), das damals gerade auf den Weg gebracht worden war. Zugrunde lag die Einsicht, dass es nicht nur in Hamburg, sondern in ganz Deutschland an Möglichkeiten fehlte, die Unterbringung und die Integration ausländischer Gastwissenschaftler an den Universitäten zu verbessern. Die Erfahrung hatte gezeigt, dass auch die von ausländischen Forschern am Hochschulort vorgefundenen äußeren Rahmenbedingungen von eminenter Bedeutung sind und die wissenschaftliche Produktivität und Kreativität beeinflussen. Zudem prägen gerade Eindrücke und Erlebnisse aus dem Alltagsleben das Deutschlandbild von ausländischen Gastwissenschaftlern und deren Familien. Hierbei spielt die Wohnsituation eine wesentliche Rolle. Vorbild waren damals die Gästehäuser, wie sie bereits in den USA existierten. Die VolkswagenStiftung stellte für diesen Zweck insgesamt Mittel in Höhe von rund 55 Millionen DM zur Verfügung, ergänzt übrigens durch ein Wohnungsbauprogramm für den akademischen Mittelbau. Die Universitäten richteten ihren Antrag an die Alexander-von-Humboldt-Stiftung, deren Gästehausausschuss eine Empfehlung zur Bewilligung an das Kuratorium der Volkswagenstiftung aussprach. Auf diesem Wege konnten bis 1973 insgesamt 33 Gästehäuser an 29 Hochschulorten eingerichtet werden.[i]

Diese akademischen Gästehäuser haben in erheblichem Maße dazu beigetragen, die seinerzeit bestehenden Unterbringungsschwierigkeiten ausländischer Gastwissenschaftler an deutschen Hochschulorten zu beseitigen. Über die Jahre wurde indes eine gewisse Zurückgezogenheit der Gästehausbewohner registriert, die sowohl dem Leitgedanken des Programms als auch den Grundprinzipien der AvH und der VolkswagenStiftung widersprachen.[ii] Um der Gefahr einer Abkapselung der ausländischen Gastwissenschaftler entgegenzuwirken, beschlossen die beteiligten Stiftungen Mitte der 1970er Jahre, in Zukunft den Schwerpunkt auf die Schaffung zusätzlicher kommunikationsfördernder Räumlichkeiten zu legen. Zu diesem Zeitpunkt wäre für eine gemeinnützige Stiftung die Schaffung weiteren Wohnraums auch gar nicht mehr möglich gewesen, da diese anders als noch in der 1960er Jahren nicht mehr als steuerbegünstigte Stiftungstätigkeit anerkannt war.

Die im Rahmen dieses neuen Förderprogramms geschaffenen Objekte wurden als "Internationale Begegnungszentren der Wissenschaft" bezeichnet, kurz IBZs. In diesen Begegnungszentren entstanden zusätzlich zu modernen Gästewohnungen Kommunikationszentren für den privaten und fachlichen Dialog zwischen den Wissenschaftlern aus aller Welt. Die VolkswagenStiftung hat für das IBZ-Programm zwischen 1975 und 1986 noch einmal insgesamt 66,4 Millionen DM zur Verfügung gestellt.[iii] Die über diese Förderung hinaus benötigten Mittel hat die Humboldt-Stiftung in nicht immer einfachen Verhandlungen mit den jeweiligen Ländern, Universitäten und privaten Spendern für jedes Begegnungszentrum gesondert eingeworben. Insgesamt konnten auf diese Weise 28 Internationale Begegnungszentren an 27 Hochschulorten entstehen. Sie wurden entweder ganz neu errichtet oder gingen aus bereits bestehenden Gästehäusern hervor, die in ein IBZ umgewandelt wurden.

Nach dem Fall der Mauer bestand dann die Herausforderung, auch in den neuen Bundesländern adäquate Wohnmöglichkeiten für ausländische Gastwissenschaftler zu schaffen. Bund und Länder stellten aus dem Hochschulerneuerungsprogramm (HEP) für diese Aufgabe rund 70 Millionen DM zur Verfügung, weitere 12 Millionen konnte die Humboldt-Stiftung von Dritten einwerben. Mit diesen Mitteln entstanden in den Jahren 1997 bis 2000 13 weitere Internationale Begegnungszentren der Wissenschaft an 12 ostdeutschen Hochschulorten. Damit konnte eine wichtige Infrastrukturmaßnahme für die deutscher Wissenschaft erfolgreich zum Abschluss gebracht werden.

Die Internationalisierung unserer Hochschulen, die angesichts einer sich immer weiter beschleunigenden Globalisierung und der demographischen Entwicklung in unserem Land so dringlich ist wie nie zuvor, erschöpft sich natürlich nicht in der Bereitstellung von Wohn- und Begegnungsstätten für Gastwissenschaftler. Die Hochschulen verstehen Internationalisierung zunehmend als Bestandteil einer maßgeschneiderten Strategie der Profilbildung und Schwerpunktsetzung, die das jeweilige institutionelle Leitbild berücksichtigt, aber auch finanzielle und personelle Ressourcen und die Position der Hochschule in ihrer Region ebenso wie die Reputation im jeweiligen Hochschulsystem. Internationalisierungsstrategien sind damit Teil des Differenzierungsprozesses der Hochschulen; denn nicht jede deutsche Universität wird sich als international sichtbare Forschungsuniversität profilieren können. Schon aus finanziellen Gründen ist es ausgeschlossen, dass es in einem Land von der Größe Deutschlands mehr als ein gutes Dutzend Weltklasseuniversitäten geben kann. Es ist daher sehr zu begrüßen, dass die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) 2009 ein Audit „Internationalisierung der Hochschulen” ins Leben gerufen hat, das die deutschen Hochschulen gezielt darin unterstützen soll, ihr je spezifisches internationales Profil herauszuarbeiten und weiter zu entwickeln. Die Universität Hamburg hat an diesem Audit bereits erfolgreich teilgenommen.

Unverzichtbarer Teil der Internationalisierungsstrategie einer Universität ist die Beteiligung an Netzwerken, Verbünden und Allianzen. Fast jede deutsche Universität hat in der Vergangenheit eine große Zahl von Kooperationsvereinbarungen unterzeichnet, die oft durch Kontakte einzelner Wissenschaftler zustande kamen, ohne dass ihnen ein abgestimmtes Konzept für die Universität als ganze zugrunde lag. Aber Partnerschaften und Kooperationen sollten nicht auf Zufälligkeiten beruhen, sondern auf einer sorgfältig erarbeiteten Strategie, die auf Profilbildung und Sichtbarkeit abzielt.

Internationalisierungsstrategien sind daher zunehmend durch eine Abkehr von vielen losen Kooperationen zugunsten dauerhafter strategischer Allianzen mit einigen sorgfältig ausgewählten Partnern gekennzeichnet. Einige Universitäten haben sogar Filialen im Ausland gegründet, ein besonders markantes Beispiel ist das German Institute of Science and Technology (GIST) der TU München in Singapur.

Die Gründung von Netzwerken, Verbünden und Allianzen ist ein Prozess, der alle Ebenen umfassen muss. Regional tragen institutionalisierte Kooperationen mit anderen Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zur Schwerpunktsetzung und Stärkung bereits bestehender Exzellenzbereiche bei. Solche regionalen Kooperationen reichen von Kooperationsverbünden wie dem Göttingen Research Campus bis hin zur Fusion ganzer Institutionen wie beim Karlsruhe Institute of Technology (KIT) oder dem gerade in Gründung befindlichen Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG). Auch die Universität Hamburg ist unter dem Namen PIER eine institutionalisierte strategische Partnerschaft mit dem Deutschen Elektronen Synchrotron (DESY) eingegangen.[iv]

Auf nationaler und internationaler Ebene bilden Universitäten zunehmend eigene Interessengruppen und Netzwerke, um die akademische Zusammenarbeit voranzutreiben und mit einer gemeinsamen Stimme ihre speziellen Forderungen gegenüber Öffentlichkeit und Wissenschaftspolitik zu vertreten. Beispiele sind die erst vor kurzem ins Leben gerufene German U15-Gruppe großer forschungsorientierter Universitäten mit einer medizinischen Fakultät, der auch die Universität Hamburg angehört, oder auf europäischer Ebene die League of European Research Universities (LERU) und die Coimbra Group. Die Zugehörigkeit zu einem solchen Netzwerk beruht in der Regel auf bestimmten Selektionskriterien und ist damit Teil eines fortschreitenden Prozesses der Differenzierung und Diversifikation der europäischen Hochschul- und Forschungslandschaft.

Auch für die Universität Hamburg, die sich ihrem Leitbild gemäß als „Tor zur Welt der Wissenschaft“ versteht, ist Internationalisierung ein wichtiger Bestandteil der Profilbildung. Angesichts der Lage im Norden Deutschlands ist es nicht überraschend, dass das erste internationale strategische Netzwerk im Jahr 2010 mit der Universität Aarhus und University of Southern Denmark gegründet und 2012 um die Universität Kiel erweitert wurde. Im Jahr 2012 wurden darüber hinaus strategische Partnerschaften mit Universitäten in Sydney, Shanghai, Sankt Petersburg, Prag und Stellenbosch etabliert.[v] Die Internationalisierung der Universität Hamburg ist also auf einem guten Weg, und die Stiftung Weltweite Wissenschaft darf sicher sein, dass sich ihr Gästehaus auch weiterhin reger Nachfrage erfreuen wird.

Meine Damen und Herren, die Geschichte des Gästehauses der Universität Hamburg ist nicht immer problemlos verlaufen. Es waren vor allem durch den Sanierungsbedarf des Hauses und den Ausfall von Mietern verursachte finanzielle Probleme, welche die Verantwortlichen zeitweise sogar über eine Veräußerung der Liegenschaft nachdenken ließen. In den Akten der VolkswagenStiftung findet sich dazu eine umfangreiche Korrespondenz, da sich die Stiftung vorbehalten hatte, bei einem Verkauf oder einer Änderung der Nutzung einen Teil ihrer Zuwendung zurückzufordern. Ein kluges und mutiges Management und der große, oftmals ehrenamtliche Einsatz vieler engagierter Kämpfer für das Gästehaus der Universität Hamburg haben dazu geführt, dass es heute in eine gesicherte Zukunft blicken kann. Meine besten Wünsche begleiten das Gästehaus und die Stiftung Weltweite Wissenschaft für die nächsten 50 Jahre: Ad multos annos.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.



[i] Jahresbericht der StiftungVolkswagenwerk 1972, S. 141; 1973, S. 278 - 280

[ii] Aus dem Beitrag „Unsere Häuser sind nicht nur zum Wohnen da“ von Heinrich Pfeiffer, ehemaliger Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung , in der DUZ vom 5. November 1984.

[iii] Jahresbericht der StiftungVolkswagenwerk 1985/86, S. 252.

[iv] PIER: „Partnership for Innovation, Education and Research“.

[v] Entnommen aus der Website der Universität Hamburg.

 

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