50 Jahre STIFTUNG WELTWEITE WISSENSCHAFT!

Rede von Prof. Kunihiro Nakata von der UniversitätRyukoku

 

zum 50. Jubiläum des Gästehauses, 12.06.2013stempelhks45nr2


 

„Das Gästehaus ist eine große Unterstützung für Wissenschaftler.“


Meine sehr geehrten Damen und Herren,
 

zunächst gratuliere ich dem Gästehaus der Universität Hamburg. Ich lebte bis 1990 in Marburg. Nach meiner Rückkehr nach Japan wurde ich Assistenzprofessor und  besuchte ab 1996 für ein Jahr das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg mit Unterstützung durch Herrn Prof. Dr. Baum. Seit dieser Zeit begeistert mich Hamburg, und ich besuche die Stadt regelmäßig. Dabei bemühe ich mich stets, vor allem die Verbindung Deutschlands aber auch Europas mit Japan zu pflegen.


Das japanische Recht und Rechtssystem erfuhr zur Zeit des Kaisers Meiji (1868 - 1912) einen starken Einfluss Europas. Dies war für die Modernisierung Japans eine unabdingbare Voraussetzung. Anfangs wurde erwogen, das französische Rechtssystem zu übernehmen. Allerdings handelte es sich dabei um ein post-revolutionäres Gesetzbuch, weswegen es als „zu demokratisch“ kritisiert wurde.


Man führte daher ein Rechtssystem nach dem Modell der konstitutionellen Monarchie in Preußen ein. Die nach preußischem Vorbild geschaffene Verfassung des Großjapanischen Kaiserreiches trat 1889 und in Kraft. Das japanische Zivilgesetzbuch folgte dann 1898.


Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die damalige Verfassung unter amerikanischem Einfluss reformiert und folgte sodann teilweise auch dem System des angloamerikanischen Rechts. Abgesehen von Teilen des Familien- und Erbrechts besteht das japanische Zivilgesetzbuch, das heißt auf japanisch Minpô, jedoch  bis heute ohne größere Veränderungen fort. Das Minpô folgt wie das deutsche Zivilrecht dem Pandektensystem. Aufgrund dieser Ähnlichkeit wird immer wieder angenommen, es sei eine Kopie des deutschen Rechts. Vielmehr ist es jedoch eine Mischung aus französischem, deutschem und englischem Recht.


Um vor diesem Hintergrund im japanischen Recht zu forschen und um zukünftige Entwicklungstendenzen zu analysieren, ist es notwendig, die jeweiligen Beziehungen des japanischen Rechts zu den ausländischen Rechtssystemen zu erfassen. Hierbei ist die deutsche Rechtswissenschaft sogar sehr wichtig. Dies ist ein Grund dafür, dass ich für meine Forschung nach Deutschland komme. Hamburgs Anziehungskraft besteht für mich natürlich in der Gastfreundlichkeit des Gästehauses der Universität, aber auch in den Professoren und den Mitarbeitern des Max-Planck-Instituts, in den Professoren der Universität Hamburg und in den Leute, die diese Forschung unterstützen.


Rechtswissenschaften sind ein Teil der Sozialwissenschaften, weshalb die Fähigkeit, Menschen zu beobachten, unentbehrlich ist. Was im Gesetz niedergeschrieben steht, entspricht längst nicht der gesellschaftlichen Realität. Selbst wenn Verträge Bindungswirkung haben, funktioniert diese These nicht ohne das Rechtsbewusstsein, dass Verträge einzuhalten sind. Unsere Gesellschaft wäre nicht funktionsfähig, wenn niemand Verträge einhalten würde. Es ist daher wichtig zu fragen, was notwendig ist, damit ein System mit seinen Zielen funktionieren kann, wie die Menschen darüber denken und wie sie sich verhalten.


Selbstverständlich  ist jede Gesellschaft unterschiedlich und lässt sich nicht ohne weiteres ergründen. Ich als Japaner bin mir stets bewusst, dass mein Verständnis von Deutschen und Menschen aus verschiedenen Ländern vielleicht nicht so vollständig ist. Allerdings entsteht kein Austausch dort, wo zu viel Vorsicht herrscht. Dabei ist der Erstkontakt wichtig, um diese Vorsicht zu überwinden. Das Gästehaus bietet dazu eine "Social Hour" an. Diese "Social Hour" ist eine Gelegenheit, mit Menschen in Kontakt zu treten.


Nicht alle so geschlossenen Bekanntschaften sind dauerhaft, aber es ist eine hervorragende Gelegenheit um zu erfahren, wie Menschen aus anderen Ländern denken und fühlen. Um sich mit Menschen richtig austauschen zu können, bedarf es der oben genannten Fähigkeit, Menschen zu verstehen. Ich denke aber, dass der Austausch im Gästehaus auf diese Weise einen grundlegenden Teil unserer wissenschaftlichen Fähigkeiten weiter ausbildet.


Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch auf eine weitere, die wichtigste, Bedeutung des Gästehauses zu sprechen kommen. Für uns ist die Wissenschaft die allerwichtigste Aufgabe, aber diese wird durch unser alltägliches Leben unterstützt. Bei Unsicherheiten im alltäglichen Leben, binden diese unsere Konzentration, und die Forschung geht nicht voran. Gerade für Wissenschaftler, die aus weit entfernten Ländern für ihre Forschung für längere Zeit nach Hamburg kommen, ist das Wohnumfeld ein besonders wichtiger Faktor. Dies gilt auch für die Familien.


Man hört nicht selten von Wissenschaftlern, die ihre Forschung wegen Problemen mit der Wohnsituation abbrechen, und von Menschen, die unter den Unterschieden zum Lebensstil im eigenen Land leiden. Das Gästehaus allerdings reduziert solche Probleme auf ein Minimum. Die angenehme Wohnsituation im Gästehaus ist die größte Unterstützung für unsere Forschung.


In dieser Hinsicht ist es ein großer Verdienst der Stiftung Weltweite Wissenschaft, die mit tiefgreifendem Verständnis für diese Situation und aus langfristiger Sicht hinter dem erfolgreichen Bestreben des Gästehauses steht, das Leben von uns Wissenschaftlern zu unterstützen.


Ich möchte der Stiftung Weltweite Wissenschaft für diese Voraussicht, ihr Verständnis für das Wesen der Arbeit in der Wissenschaft sowie ihre Unterstützung aus ganzem Herzen meine Hochachtung und Dankbarkeit ausdrücken.

Schlussendlich möchte ich die Gelegenheit nutzen und der Managerin des Gästehauses Frau Anna Maria Karl sowie dem gesamten Team als ein Vertreter der hier Versammelten sehr herzlich danken. Für die Zukunft des Gästehauses wünsche ich weiterhin alles Gute und viel Erfolg.

 

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